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13. Juni 08 Tadschikistan im Pamir

Ja, es gibt uns noch, leider waren die Internetverbindungen nicht mehr so schnell zu finden wie bisher.
An unserem letzten Tag auf der Krim, kamen wir noch in eine blöde Polizeikontrolle. Eigentlich waren wir etwas selber schuld, ein Polizist wollte uns anhalten aber wir sind einfach an ihm vorbeigefahren. (In Südamerika hat das immer funktioniert). Es ging nicht lange und der Streifenwagen kam uns nach und stellte uns.
Die beiden Polizisten wollten uns gerade 100$ abknöpfen. Da Aschi so tat, als er nichts verstehen würde, telefonierte einer seiner Schwester die Englisch und Deutsch spricht. Nun konnte Aschi mit ihr sprechen. Sie meinte am Handy, „ich weiss mein Bruder ist verrückt.“ Doch es sei halt so in der Ukraine da müsse man halt bezahlen. Doch Aschi blieb hart und schlussendlich konnten wir fahren.
In Kerch gingen wir auf die Fähre, die uns nach Russland brachte, die Ausreise aus der Ukraine ging sehr langsam. Die Einreise in Russland noch langsamer. Um etwa 14:00 Uhr kamen wir ab der Fähre zur russischen Grenze und etwa um 18:00, nach dem unser Wagen zuletzt noch geröntgt wurde, konnten wir losfahren.
Wir fuhren durch die nördlichen Ausläufer des Kaukasus und durch die Republik Kalmückien (da waren die Polizeikontrollen am lästigsten), nach Astrachan ins Wolgadelta.
Weiter ging es nach Kasachstan, da wurde uns erst bewusst, dass wir die Distanzen total unterschätzt hatten und wir viel mehr Kilometer im Tag zurücklegen mussten als uns lieb war. Die Grenze wurde zu einer Tortur, die Ausreise verlief eigentlich noch recht einfach aber zeitaufwendig, doch auf der Kasachischenseite, wurden wir von tausenden von kleinen Fliegen belagert und es wurde auch noch sehr heiss. So konnte man sich nicht ins Fahrzeug verziehen und die Fenster schliessen um Ruhe von diesen Viechern, die einem überall hinkrochen um einem anzufressen, zu bekommen. Die Formalitäten vom Zoll zogen sich SEHR lange hin. Wir steckten die Hunde in den Aufbau so hatten wenigsten sie Ruhe von den Fliegen und den Zöllnern.
Von der Ölstadt Atyrau fuhren wir durch die endlose Wüste, nach Beyneu, und dann weiter nach Usbekistan.

Wir fuhren der Eisenbahnlinie entlang nach Südosten und als wir auf der Höhe vom Aralsee waren, verliessen wir die Hauptpiste und folgten einer Spur, die gegen Osten verlief. Wir wollten so zum Aralsee, der etwa 100 km im Osten war, gelangen. Immer wieder mussten wir eine neue Spur suchen, die uns in die Nähe des Sees brachte.

Das verlorene Lamm
Etwa 40 km, bevor wir an die Steilküste vom Aralsee gelangten, entdeckten wir mitten in der Wüste ein Lamm. Weit und breit waren keine Häuser, Nomaden oder sonst irgendwas zu sehen. Das Lamm versuchte bei einem Pfosten etwas Schatten zu ergattern. Wir hielten an, um zu beratschlagen, was wir mit dem armen Tier machen wollten, eines stand für mich schon fest, wir werden es nicht dem sicheren Tod überlassen. Auf unserer Reise auf der Panamericane 2000-2002, fanden wir auf dem Altiplano in Bolivien auch mitten im Nirgendwo ein Lamm. Warum muss das immer uns passieren?
Im Hundenapf gab ich ihm etwas Wasser es schien, als das Tier schon lange kein Wasser mehr hatte. (Wie lange kann ein Schaf ohne Wasser sein? Ich weiss es nicht.) Das Lamm nahm über einen Liter Wasser zu sich.
Aschi musste das Tier nun einfangen, und im Bucher einladen, wir wollten es bis zur nächsten Wasserstelle mitnehmen. Bei meinen Füssen lag es nun. Einige Kilometer weiter fanden wir eine Wasserstelle, aber von Menschen war immer noch weit und breit nichts zu sehen. Schweren Herzens und in der Hoffnung, dass jemand das Lamm finden wird, liessen wir es dort zurück. Beim Wegfahren sagte ich zu Aschi, ABER wenn wir später Nomaden sehen, fahren wir zurück und holen das Lamm.
Nach etwas über 10 km sahen wir in der Ferne doch ein Nomadencamp, so blieb Aschi nicht anderes übrig als umzudrehen und das Lamm zu holen. Das Tier war immer noch dort, wo wir es zurückgelassen hatten. Nun mussten wir es wieder einfangen, doch jetzt war es viel schneller als zuvor. Hei für was haben wir eigentlich zwei Border Collies? Doch Bobby war nicht von grosser Hilfe, ich glaube fast er hat nicht ganz begriffen, dass das Lamm kein Hund war. Dann hatte ich die Idee, dass das Kommando vom Dogdancing, wo ich die Aisha um einen Gegenstand oder auch einen Menschen herumschicken kann, vielleicht helfen kann. Die Aisha begriff sehr schnell, was ich wollte, sie umkreiste das Lamm, bis ich es festhalten konnte. Nun fuhren wir zu den Nomaden zurück und liessen das Lamm dort.
Unsere Reise quer durch die Wüste zum Aralsee, ging nun wieder weiter. Beim See angelangt wurden wir mit verschiedensten Felsformationen vom Steilufer überrascht. So hatten wir uns das ganz und gar nicht vorgestellt und waren überwältigt. Wir verbrachten eine Nacht am Aralsee. Am nächsten Morgen ging es dann weiter erst der Küste entlang in den Süden und dann quer über den See nach Moynaq, wo einmal der See hinreichte. Da der Wasserspiegel des Aralsees so stark gesunken ist, ist das Südufer von 1970 über 80 km weg. So ist es möglich über den See zu fahren, das heisst auf dem Seegrund. In Moynaq kann man noch den Hafen mit den gestrandeten Schiffen besichtigen. (Wenn es euch interessiert, was mit dem Aralsee geschieht, schaut mal in Google nach.)


Aralsee, Usbekistan

Von nun an wurden wir von der Hitze geplagt, das Thermometer stieg schon am Morgen um 9:00 Uhr über 35°, trotzt der Hitze besichtigten wir die Städte der Seidenstrasse Kiva, Bukhara und Samarkand. Doch die Besichtigungen hielten sich immer sehr kurz, denn die Sonne kochte uns fast das Hirn im Schädel.
Unsere Hunde können mit der Hitze viel besser umgehen als Aschi und ich. Beim Fahren bekommen sie immer ein nasses Tuch übergelegt, und so schlafen sie fast die ganze Zeit.

 

 
Von Samarkand ging es dann zur Tadschikischengrenze. Es schien je weiter wir in den Osten kamen je einfacher die Grenzübergänge wurden. Bei den usbekischen Grenzbeamten machte ich mit der Aisha, nachdem der Drogenhund unser Wagen abgesucht hatte, eine kurze Show im Dogdance. Die Männer kamen nicht mehr aus dem Staunen raus.

Jetzt kommts, etwas für die Hundefreunde
Als der Grenzbeamte mit dem Hund zu unserem Wagen kam, schnappte ich ohne gross zu überlegen die Gudibüchse von unseren Hunden und ging zum Drogenhund hin. Im Nu machte er für die Gudis ein Sitz.
Der Schäferhund, der sicher als Drogenhund ausgebildet wurde, stand, als er unser Wagen absuchen sollte, total unter stress. Die ganze Zeit beschwichtigte, und gähnte er.
Fast bei jeder Grenze gibt es Drogenhunde bei den Russen waren es ein Labi und ein Schäfer.
Nach den Papieren von unseren Hunden wurden wir auch fast bei jeder Grenze gefragt. Ich denke zwar, dass sie keine Ahnung haben was sie in den Pässen der Hunde sehen, aber es scheint, als es genug ist, wenn man überhaupt Papiere für die Hunde hat.
Auf dem Weg in die Hauptstadt von Tadschikistan, Dushanbe kamen wir nur sehr langsam voran, die Strasse war in einem sehr schlechten Zustand und auch noch sehr gefährlich. Wir fuhren in einem sehr engen Tal einem reissenden Fluss entlang, der Weg war manchmal so eng, dass man mit entgegenkommenden Fahrzeugen kaum kreuzen konnte und oft ging es mehrere 100 Meter in die Schlucht hinunter und das Ganze ohne Leitblanken oder Ähnliches. Ich sage nur soviel, ich hatte Blasen an den Händen, weil ich mich so fest halten musste. Wir konnten es kaum glauben, dass die Strasse die in die Hauptstadt führt, so schlecht ist.


Weg nach Dushambe, Tadschikistan

Doch das war noch nicht alles das Beste kommt noch. Da wir immer noch sehr von der Hitze geplagt waren, hatten wir das Ziel auf dem Anzo Pass 3373 m.ü.M endlich etwas Abkühlung zu bekommen, und die Nacht auf dem Pass zu verbringen. Doch da wir wegen den Strassenverhältnissen nur sehr langsam vorankamen wurde es mit der Zeit etwas knapp um den Pass noch bei Tageslicht zu erreichen. Zu allem Elend verpassten wir irgendwie eine Abzweigung und folgten einer Strasse, die voll im Bau stand. Wenn diese Strecke mal ausgebaut ist, wird etwa im 2012 sein, wird es eine Abkürzung nach Dushanbe sein. Doch jetzt ist es die Hölle. Die ganze Strecke wird von chinesischen Strassenbauern ausgebaut. Die Bautrupps wohnen in Armeezelten in schlimmen Verhältnissen. Wir sehen sogar chinesische Frauen beim Zement schaufeln. Ja, wir sind in Asien angekommen.
 
Camp chinesischer Bautrupps, Tadschikistan

Langsam inmitten von Lastwagen kämpfen wir uns den Pass hinauf, an ein Anhalten ist nicht zu denken, alles ist nur eine Baustelle mit Dreck und Staub und schon bald wurde es dunkel. Wir würden nie und nimmer in der Nacht fahren, doch dieses Mal bleibt uns nichts anderes übrig. Als wir dachten endlich oben am Pass zu sein, steht vor uns eine riesige Baustelle, die in den Berg hinein führt. Hei, ist jetzt der Weg zu Ende, oder wo geht es weiter? Sie bauen einen Tunnel, und wir müssen durch den Tunnel durch. Wir folgen den Lastwagen vor uns in den Tunnel hinein. Ach, wie soll ich das bloss beschreiben? Ich kann nur so viel sagen, so stelle ich mir die Hölle vor. Durch den Tunnel fliesst ein Fluss, es tropft die Lampen im Tunnel oder besser gesagt im Loch flackern, es stinkt von dem vielen Abgas, es gibt keine Lüftung. Sicherheit im Tunnel gibt es nicht, immer wieder kommt der Verkehr zum Stehen, weil die Lastwagen nicht kreuzen können, es ist dunkel und noch kein Ende in Sicht. Da das Loch geflutet ist, sehen wir die Schlaglöcher der Strasse nicht, es rüttelt und schüttelt, wir sind in der Hölle. Wir kriegen keine Luft und immer noch kein Ende in Sicht. Wenn es helfen würde, würde ich weinen, doch was bringt es, wir sind in der Hölle. Tief im Tunnel stehen Arbeiter im Schlamm und versuchen etwas zu reparieren, in diesem Loch mit diesem Gestank. Wir können es nicht fassen. Diese armen Schweine. Als sie uns sehen pfeifen und jubeln sie, wir können ihnen nicht Helfen. Immer noch kein Ende in Sicht. Baumaschinen stehen am Rande tief im Schlamm, sie sind schon lange kaputt. Nach einer guten halben Stunde endlich das Ende in Sicht. Der Verkehr kommt wieder zum Stehen. Ein Wagen hat die falsche Spur bei der Ausfahrt genommen uns steckt nun tief im Schlamm fest, ein Lastwagen will in hinausziehen, im Auto sitzt ein etwa 13-jähriger Knabe am Steuer. Wir kommen aus dem Tunnel raus, doch nun ist es dunkel geworden und wir müssen weiter fahren. Nun geht es den Berg hinunter wir sehen nicht viel, wieder ist der Abgrund tief. Wo sollen wir nur übernachten? Da, links ein Weg, wir nehmen ihn, es ist schon gut, wenn wir nur ein paar Meter von der Strasse runter kommen. Es ist schon spät, wir können den Bucher einigermassen gerade hinstellen. Schnell, die Hunde bekommen das Fressen, wir sind zu müde um zu Essen. Wir sind einfach nur froh aus dem Tunnel zu sein. Ein schlimmer Tag geht zu Ende.
Nach einer einiger massen ruhigen Nacht fahren wir am nächsten Morgen weiter nach Dushanbe, dort ist es wieder brennend heiss, wir können kaum überlegen, was wir alles besorgen sollten. In einem supermarktähnlichen Laden kaufen wir Milch und Käse. Ich staune nicht schlecht, die verkaufen sogar Hundefutter.
Schon wieder geht es um Hunde, in Tadschikistan sehen wir überall Hunde, denen Rute und Ohren abgeschnitten wurden. Abgeschnitten ist vielleicht das falsche Wort dafür, ich sage es auf Bärndütsch, „abgeschnätzet“, ist das richtige Wort.
Bei einer Polizei Kontrolle frage ich einen Mann, der recht gut englisch spricht, warum sie den Hunden die Ohren wegschneiden. Er meint, so würden die Hunde gefährlicher aussehen. (Die Leute haben schon, ohne abgeschnittene Ohren, eine Heiden Angst von unseren Hunden.) Er sagt auch, dass der Hund der beste Freund des Mannes sein. Ich gebe im zur Antwort, dass ich meinem Freund nie schmerzen zuführen würde. Ich denke ich bin zu schwach für dieses Land.
Unsere Reise geht weiter in den Pamir, wir fahren lange in einem engen Tal der Afghanischengrenze entlang, nur der Panj Fluss trennt uns von Afghanistan. Kaum zu glauben wie die dort Leben, die Dörfer kleben nur so an den Felswänden, keine Strasse führt dazu, nur ein Eselweg führt dem Fluss entlang. Wir sehen einige Männer mit vollgepackten Eseln. Was für ein Leben, die sind total abgeschnitten, sie müssen hohe Pässe überqueren oder Kilometer weit dem Fluss entlang gehen, um in ein grösseres Dorf zu gelangen. Das Lustige an der ganzen Sache ist, dass man auf den Dächern von manchen Häusern Satellitenschüsseln sieht.


Blick über den Panj Fluss nach Afghanistan

Wir können nicht ans Ufer des Flusses gehen, immer wieder gibt es Minenfelder. Innert drei Tagen müssen wir nach Khorog gelangen, man muss sich in Tadschikistan innerhalb von drei Tagen bei der Fremdenpolizei registrieren lassen und das kann man nur in bestimmten Städten tun. Vier Minuten bevor die Amtsstelle schliesst kommen wir in Khorog an, noch an diesem Tag müssen wir uns Registrieren sonst gibt es eine Busse von je 100$. So steht es in unserem Reiseführer. Aschi packt die Pässe und spurtet davon, ich warte im Wagen. Er kommt zurück und sagt, dass er noch Kopien vom Visum und den Pässen machen müsse. Wir haben noch welche im Wagen, wieder spurtet er los. Nun ist der Schalter geschlossen, obwohl der Beamte gesagt hat er würde warten. Ein Einheimischer, der beim Schalter ist, spricht englisch und Aschi sagt ihm, dass wir noch an diesem Tag die Registration machen müssen. Er klopft die Chefin hinter einem Fenster heraus und die holt den Beamten zurück und nun geht es.
Kaum zu glauben, wir sind auf 2200 Meter oben und es ist über 35°.


Aisha, nach einem ausgiebigen Staubbad