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11. August 2008 Ostufer Baikalsee

Von Kasachstan ging unsere Reise nach Sibirien, bei Öskemen passieren wir die Kasachisch – Russischegrenze. In der Stadt Barnaul finden wir ein offenes Wifi und können mit Skype wieder einmal mit Familie und Freunden telefonieren.
Zügig fahren wir nun gegen Irkutsk zu, nicht nur weil es nicht viel ausser Wald zu sehen gibt, nein, wir lieben ja eigentlich den Wald und die menschenleere Gegend, sondern wegen den kleinen lästigen Stechfliegen, die es nun in Millionen hat. Kaum ist man aus dem Wagen raus, umschwirren sie uns auch die Hunde sind mehr als nur geplagt. Bobby will sogar freiwillig im Wagen bleiben und das will schon etwas heissen. Doch leider sind wir im Inneren des Wagens auch nicht von diesen lästigen Fliegen sicher, sie kriechen einfach durch die Fliegennetze die an den Fenstern sind hindurch. Aschi verflucht die teuren Fenster, die ihren Preis nicht wert sind, zum x-ten Mal. Der Sommer in Sibirien ist sehr heiss und die Sonne scheint sehr lange, also können wir, um nicht einen Hitze-Toto zu sterben, die Fenster nicht einfach schliessen und gut ist es. Nun sind wir sozusagen auf der Flucht, wir machen uns grosse Sorgen dass die Fliegen am Baikalsee auch so zahlreich sein könnten. Doch irgendwo nach Krasnojarsk hat es keine mehr. Wir geniessen unsere neue Freiheit ohne Stechfliegen. Schon stellt sich uns die nächste Herausforderung, seit wir in Russland sind, fahren wir auf schöner angenehmer Asphaltstrasse, doch nun wird die Strasse zu einem Weg und dann auch noch zu einem ?? ?……….schei………  siehe Bild.
Eigentlich ist es für Aschi und den Bucher keine Herausforderung, wir fahren einfach etwas langsamer.


Hauptverbindungsstrsse M53 Novosibirsk-Irkutsk

 
Auf der ganzen Strecke seit Novosibirsk kommen uns die vielen Autoschieber, die Gebrauchtwagen vom Osten gegen Westen bringen, entgegen. Ich wollte sie mal zählen, habe in einer halben Stunde über 20 Wagen gezählt und habe es dann aufgegeben. Die Fahrzeuge sind alle rechts gelenkt, die Schieber fahren meistens in einer Gruppe von mehreren Wagen, es wird gefahren wie an einer Rallye, sie überholen auch einander in der Gruppe und wenn du entgegen kommst, hast du Pech, dann heisst es ausweichen oder einen frontalen Zusammenstoss riskieren. Es überholen nicht nur die Autoschieber so, auch die anderen Russen fahren so, da sehr viele, wenn nicht jedes zweite Fahrzeug rechts gelenkt ist, ist es auch sehr gefährlich, wenn wir ein solches Auto hinter uns haben. Der Fahrer sieht hinter uns nicht nach vorne, und irgendwann wird dann blindlings überholt. Das ist für mich das neue russische Roulett, überholen vor einer unübersichtlichen Kurve oder bei Gegenverkehr. Dass es nicht immer gut geht, sehen wir an den vielen Kreuzen am Strassenrand, ich denke dass der Wodka auch noch sein Teil dazu tut.


Kirche in Irkutsk

Der Wodka und die Russen, oder die Russen und der Wodka?
In Irkutsk angelangt erkennen wir das schöne ruhige Städtchen vor 12 Jahren nicht mehr. Irkutsk ist zu einer grossen Stadt mit Stau, Staub und ungeduldigen Busfahrer geworden. Wir machen einige Einkäufe und flüchten sozusagen aus der Stadt, (ist ja nichts Neues von uns, sind immer vor den Städten auf der Flucht) wir wollen zum Baikalsee. Erst fahren wir nach Listvyanka, und sehen nach 12 Jahren den Baikalsee endlich wieder. Am Fluss Angara finden wir dann einen ruhigen Übernachtungsplatz. Am späten Nachmittag bekommen wir Nachbarn. Vier Junge Männer richten sich ein Lager her, erst wird Wodka getrunken, dann etwas im kalten Fluss gebadet, dann wieder Wodka getrunken und dazu auch noch was gegessen. Später wird ein Feuer entfacht um den geliebten Schaschlik (Spiess) zu braten. Wir werden von ihnen eingeladen mit ihnen zu trinken und zu essen. Wir haben aber schon gegessen und auf ein Trinkgelage mit Wodka wollen wir uns nicht einlassen. Zu einem Becher voll Wodka lässt sich Aschi noch überreden, ich bekomme ein Bier in die Hand gedrückt. Doch als wir nicht mehr trinken wollen, können sie es einfach nicht verstehen, was, ihr habt schon genug? Das gibt es doch nicht. Wir verabschieden uns für die Nacht und gehen zu Bett. Das Trinken geht bei den Männern die halbe Nacht weiter, aber ohne laut zu werden.
Am nächsten Tag sehen wir sie erst um die Mittagszeit aus dem Zelt kriechen. Doch kaum aufgestanden geht es gleich mit Wodka weiter. Wir können zu sehen, wie sich die vier Russen bis zum Umfallen betrinken. Dann wieder etwas schlafen und wieder trinken. Der nächste Tag verläuft auch so, trinken bis zum Umfallen. So verbringen die vier Männer das Wochenende, am Sonntagabend packen sie zusammen und fahren heim. Wir verlassen die Angara auch, nun fahren wir auf einer Nebenstrasse zur Insel Olchon. Wenn man die gute Asphaltstrasse fährt, schafft man es in ein paar Stunden von Irkutsk zur Insel zu kommen. Wir nicht, wir fahren den sehr schlechte Weg und sind drei Tage mit einem Abstecher zur Ortschaft Buguldeika die am Baikalsee liegt, unterwegs.
 

Brücke, oder doch lieber durch den Fluss?



Immer noch auf dem Weg nach Olchon

In Buguldeika werden wir schon am Morgen als wir ins Dorf hinein fahren nach Wodka gefragt, der Burjate (Ureinwohner vom Gebiet des Baikalsees), der schon oder noch am Morgen betrunken ist, will seine ganze Einkäufe gegen Wodka eintauschen.
Wir fahren an den Strand, wo schon andere campieren, unter anderen auch eine grosse Gruppe, die ihre Zelte etwas vom Ufer weg, auf einer Anhöhe aufgestellt hat. Wir stellen unseren Bucher auch ans Ufer mit einem grossen Abstand von anderen Zelten. Es geht nicht lange und zwei Wagen fahren neben uns hin, es wird Musik losgelassen und getrunken. Von dieser Gruppe kommt ein Mann zu uns und fragt uns nach der Flagge, ob es wirklich die Schweizer Flagge sei. Wir merken dem Mann den Alkohol noch nicht an doch kurze Zeit später, tragen ihn seine Söhne in den Wagen. Er ist so betrunken, dass er nicht mehr imstande ist, selber zu gehen. Wodka, Wodka, Wodka und Nastrovje.


Feuerstelle nach einem russischen Snack. Überall wo wir hinkommen, leere Flaschen

 
Am Abend können wir bei der grossen Gruppe auf der Anhöhe eine Massenschlägerei mit Burjaten beobachten. Sie gehen mit Schaufeln und Stöcken aufeinander los, die Frauen und Kinder, ja, es sind auch Kinder dabei, das sind schliesslich Familienferien, laufen den Hügel hinauf und verstecken sich im Wald. Hei, das ist ja wie im Wilden Westen.
Irgendein älterer Mann vom Dorf wird herbeigebracht, er soll die Streithähne besänftigen. Um was es geht und wie es ausgeht, wissen wir leider nicht.
Am nächsten Morgen packen wir zusammen und machen uns auf den Weg zur Insel Olchon.
Beim Warten auf die Fähre können wir weitere Wodkaleichen sehen, ein Mann, der nicht mehr selber gehen kann, weil er einfach zu besoffen ist, wird von seinen Freunden in einen Reisecar geschleppt, fällt noch auf den Kopf, macht nichts, ist ja nur der Wodka.
Wir warten geschlagene 10 Stunden, bis wir auf die Fähre kommen. Die Reisebusse und Minibusse können immer zuerst auf die Fähre dann kommen noch die ganz Frechen die einfach an der wartenden Kolonne vorbeifahren, dann von den Fährleuten auch noch rauf gelassen werden (wahrscheinlich wechseln da einige Geldscheine den Besitzer) und zuletzt kommt der, der sich schön brav in die Reihe stellt. So warten wir schön brav in der Kolonne und schauen uns das Treiben an.
Um etwa 23:00 Uhr können wir auf die Fähre fahren, die Überfahrt dauert nur etwa 10 Minuten, da muss man es sich doch gut überlege ob es sich lohnt 10 Stunden zu warten. Wir suchen uns schnell einen Übernachtungsplatz und am nächsten Morgen fahren wir bis ins Dorf Uzury. Das Dorf liegt in einer wunder schönen Bucht, es ist die einzige Bucht, die man auf der Ostseite der Insel mit dem Fahrzeug erreichen kann. Gespannt fahren wir in die Bucht hinein. Wie wird es wohl sein, können wir wie vor 12 Jahren noch dort campieren? Es gibt ein paar Häuser mehr als damals, doch unser Platz ist noch da und auch noch frei. Inmitten von Edelweiss und Enzianen verbringen wir die nächsten Tage dort. In Uzury ist man etwas vom Rest des Treibens das im Moment auf der Insel herrscht (laut Aschi ein Affenzoo) verschont, die meisten campen auf der Ostseite der Insel, das Wasser soll dort wärmer sein. Wir baden bei einer Wassertemperatur von 7° Celsius. Da muss man schon ganz schön schreien, wenn man ins Wasser steigt.


Ausruhen in Uzury auf der Insel Olchon


Uzury Übernachtungsplatz

Nach zehn Tagen verlassen wir die Insel, wir wollen noch das Tunkatal und das Ostufer vom Baikalsee erkunden. Wir fahren ganz weit ins Tal hinein und später zweigen wir ins Okatal ab. Das Okatal erinnert uns sehr stark an den Yukon in Kanada oder auch Alaska. Das Einzige was anders ist, es gibt keine wilden Tiere zu bestaunen. Da stellt sich uns oft die Frage, ob es in Russland entlang der Strassen überhaupt noch Tiere gibt. Doch die Landschaft ist einfach zauberhaft. Für mich ist das Okatal, das zweite Highlight von Sibirien kurz nach dem Baikalsee.

Nun geht es dem Ostufer vom Baikalsee entlang, wir machen einen kurzen Abstecher nach Ulan Ude und sind total überrascht von der Stadt, sie ist viel moderner als Irkutsk, wir finden schnell einen grossen Supermarkt und können unseren Lebensmittelvorrat auffüllen. Noch am selben Tag geht es dann in die Richtung der Halbinsel Svjatoj Nos (Heilige Nase). Auf der Halbinsel verbringen wir zwei Nächte, und dann geht es wieder gegen Ulan Ude zu. In einigen Tagen werden wir in die Mongolei weiterreisen.
Bis zum nächsten Bericht aus der Mongolei.


Ostufer Baikalsee


Halbinsel Heilige Nase


Bis zum nächsten Bericht aus der Mongolei